Henry Threadgill zählt seit 40 Jahren zu den Ikonen der musikalischen Avantgarde der USA, zu den Komponisten, die nach neuen musikalischen Sprachen suchen. Der in Chicago aufgewachsene Flötist und Saxofonspieler hat in seiner Laufbahn in Marschkapellen, Boogie-Woogie- Bands und Latin-Ensembles gespielt, er hat Händel ebenso studiert wie indonesische Musik. In den letzten zehn Jahren hat er ein neues System entwickelt, eine serielle, auf Intervallen aufbauende Sprache, die weder Dur noch Moll kennt und inspiriert ist von der musikalischen Welt eines Edgard Varèse. In diesem System findet sich eine Handvoll Musiker zurecht, die auf den vorgegebenen Rastern ihre Improvisationen aufbauen. Mit seinem Quintett Zooid produziert Threadgill stetig nach vorne treibende Patterns, die über diese Bewegung eine hypnotische Wirkung erzielen können, ohne dass sich dem Hörer eine Melodie im herkömmlichen Sinn öffnet: abstrakter Funk.
Die Abkürzung ICP steht für „Instant Composer's Pool“. 1967 ursprünglich als Musiker-eigenes Plattenlabel unter anderem vom Pianisten Misha Mengelberg und Schlagzeuger Han Bennink gegründet, entwickelte sich daraus in den 1970er Jahren das gleichnamige Ensemble. Mit ihrem aktuellen Programm „Plays Monk, Nichols, Mengelberg“ reist das ICP Orchestra von Amsterdam nach Köln. So, wie für diese Musiker Komposition und Improvisation keine Gegensätze sind, so verknüpfen sie auch die Tradition des US-Jazz mit den eigenen musikkulturellen Wurzeln, die in der Avantgarde und frei improvisierten Musik Europas zu finden sind. Der Niederländer Mengelberg ist mit seinem schreiberischen Werk ebenso skurril, eigensinnig und schrullig wie die beiden amerikanischen Pioniere des Modern Jazz, Thelonious Monk und Herbie Nichols. Spielwitz trifft im ICP Orchestra auf Jazz-Geschichtsbewusstsein, die Improvisationskunst dieses Zehners lässt ausgiebig Raum für ein voraushörendes Zusammenspiel.
Pause gegen 21:20 Uhr, Ende ca. 23 Uhr
20:00 Uhr Henry Threadgill & Zooid
21:40 Uhr ICP Orchestra & Fay Victor
Im Radio: Do, 27. Mai 2010, ab 20:05, WDR 3 Konzert
€
25,–
€ 25,– Chorempore (Z)