Im Herbst 2009 ist Carla Bley mit der „German Jazz Trophy - A Life For Jazz“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Seit ihrem Mammutwerk „Escalator Over The Hill“ von 1971 ist die Pianistin und Komponistin eine Berühmtheit, eine, die am liebsten mit Big Bands arbeitet, weil sie sich da „besser hinter den anderen Musikern verstecken kann“, wie sie einmal ernsthaft behauptet hat. Doch auch in kleinen Ensembles findet sich die geehrte Jazzerin mit ihrem Hang zu seltsamen Scherzen zurecht. Für ihr Quartett The Lost Chords, das sie 2003 gründete, holte sie sich allerdings wenig später Verstärkung. In dem kongenialen Trompeter und Flügelhornisten Paolo Fresu findet Saxofonist Andy Sheppard nun seinen Wunschpartner, den er in der Band haben wollte. Zu fünft und mit dem Gespür Carla Bleys für Big-Band- Texturen klingen The Lost Chords kompakter, plakativer und intensiver als zuvor. Kein Wunder bei einer Gruppe, die eigentlich nur aus Bandleadern besteht und bei einer Musik, die von nachdenklichen Phrasen bis zu überschäumenden Rhythmen mit allen Registern spielt und die in einer kleinen Suite auch mal die Banane zum musikalischen Gegenstand nimmt. Carla Bley liebt, wie gesagt, das Skurrile.
Carla Bley p, org, arr, compIm Radio: Do, 29. April 2010, ab 20:05, WDR 3 Konzert
€
15,–
10,–